Generelle Arbeitsweise
Bevor irgend etwas zu der spezifischen Arbeitsweise gesagt werden kann möchte und muss ich sagen, dass ich mich nicht als Handwerker verstehe sondern mehr als Künstler. Ein Handwerker arbeitet nach Vorschriften, nach gewissen Richtlinien und Vorlagen, dass ist nicht mein Streben. Wenn ich ein Werkstück beginne, dann mit der Freude und der Inspiration die nötig ist, aus einem Stück Stahl ein Unikat zu erarbeiten. Natürlich ist meine Tätigkeit eine handwerkliche und natürlich bin ich an gewisse Richtlinien gebunden aber ich denke was zählt, ist die innere Einstellung, die Arbeitsweise. Aus diesem Grunde sind alle Terminangaben unverbindlich und nur grobe Richtlinien, weichen alle Werkstücke von den gezeigten Bildern ab und können nicht mit anderen Waffen verglichen werden.
Meine Werkstücke entstehen mit Zeit, Liebe, Freude und Inspiration und dadurch erhalten sie ihr authentisches und lebendiges Wesen! In den folgenden Texten verwende ich dennoch das Wort Handwerker, da ich auch Kollegen mit einbeziehe und der Großteil von ihnen sich nicht zwingend als Künstler sieht.
Alle Werkstücke in 100% Handarbeit hergestellt ohne industriell hergestellte Teile, wie z.B. Schwertknäufe von der Stange zu verwenden, jeder Teil des Werkstückes wird selbst hergestellt, von der Messerklinge über den Griff bis hin zum Schwertknauf.
Wir verwenden hauptsächlich 3 Stähle in unserer Schmiede. Für Knäufe, Pariere oder ähnliches wird ST37 verwendet, ein zäher Baustahl. Für unsere Kampf- und Traningsartikel sowie ausgeschliffene Schwerter verwenden wir den hochwertigen Federstahl 56Si7 und für unseren scharfen und verschleißarmen Artikel wie präzise Werkzeuge, Küchenmesser, ect. den Werkzeugstahl 90MnCrV8.
Bezüglich der historischen Korrektheit unserer Werkstücke ist es so das wir in der Regel keine 1 zu 1 Replikate herstellen, dafür gibt es spezielle Handwerker die sich auf dieses Gebiet spezialisiert haben. Wir sehen uns als traditionelle Handwerker und nicht als Modellbauer die diverse Funde vermessen und dann nachbauen. Als Handwerker hat man in unseren Augen das Recht, vieleicht sogar die Pflicht, immer etwas von seinem eigenen Stile und seiner eigenen Seele mit in das Stück einfließen zu lassen.
Das bedeutet nun nicht das wir reine Fanatsieschwerter herstellen, sondern wir nehmen den Querschnitt der gefundenen Schwerttypen, z.B. ein normannisches Schwert, und nutzen diesen Querschnitt als Grunderüst welches wir dann in der uns eigenen Art fertigen. Änderungen die dadurch entstehen sind meist kaum bemerkbar, da kann es sein das ein Parier einen ganz leichte Wölbung hat obwohl er zu 95% gerade war oder aber die Klinge sich stärker oder schwächer Verjüngt als bei Funden. Daher sind all unsere Freiinterpratationen definitiv für jeden Kenner sofort zeitlich zuordbar aber eben nicht genau zu definieren. So wird, um das Beispiel des normannischen Schwertes nochmal aufzunehmen, jeder erkennen das es ein normannisches Schwert ist aber man wird nicht sagen können das dieses Schwert 1150 n.Chr. in einem Schlachfeldgrab im Raum Wessex, GB gefunden wurde. Es ist eben der von uns gestaltete, authentische Geist eines normannischen Schwertes und keine Kopie.
Die Schmiede zur damaligen Zeit waren auch nur Handwerker die ihre Waffen nach der Funktion gefertigt haben, meist noch mit Einschlägen der aktuellen "Mode", dennoch hat jeder Schmied das Schwert nach seinem Gutdünken gefertigt und nicht mit Messschieber und technischer Zeichnung. Das bedeutet nicht das ich diese Arbeitsweise herabwerten möchte, ich finde es auch recht bemerkenswert ein Schwert zu 100% nachzubauen aber es ist eben nicht in unserer Art dies gleich zu tun.
Anders sieht es aus wenn Sammler oder auch sehr oft "Handwerker" meinen die Qualität einer Waffen und das Können des Handwerkers an der historisch, korrekten Form einer Waffe festmachen zu wollen. Auf Diskussionen mit solchen Kleingeistern können wir gerne verzichten!
Ebenso sieht es aus wenn Menschen behaupten der Handwerker würde schlampig oder unsauber arbeiten weil die Hohlkehle vieleicht nicht auf den Millimeter genau gerade läuft. Solche Klugscheißer gehören gleich mit einem Arschtritt vom Hof befördert. Solange die Qualität und Funktion eines Werkstücke stimmen wurde nicht schlampig gearbeitet und solange die Klinge nicht krumm ist wie ein Lämmerschwanz oder die Formtoleranzen aus dem Ruder laufen wurde auch nicht unsauber gearbeitet. Ich empfinde es als arrogant zu behaupten das nur Klingen gut sind die aussehen als würde sie gerade frisch aus der CNC Fräse kommen.
Es mag Handwerker geben deren Kunden genug Geld haben um sich Schwerter anfertigen zu lassen die auf den 10tel Millimeter genau sind und wie aus dem Ei gepellt aussehen, aber ebenso gibt es Menschen die eben nicht die 1500 Euro oder mehr haben um diesen Arbeitsaufwand zu zahlen und dennoch haben sie ein recht auf eine gute und vernünftig gearbeitete Klinge die vieleicht kleine Kompromisse in der Optik eingeht aber in der Funktion auch ein "Wunderschwert" übertreffen können. Unsere Waffen sind wie manche Menschen nicht ohne optischen Makel, aber mit einer wunderbaren Seele versehen.
Unter vielen Waffenschmieden ist es wie unter vielen Reenactoren, jeder möchte den größten und Prunkvollsten Krieger, Jarl oder Drichten darstellen. Mit den schönsten, verziertesten Helmen und mindestens einem Schwert, vom Schmuck will ich gar nicht erst reden. Aber die wenigsten haben den Mut und die Freude daran einen einfachen Bauern oder Handwerker darzustellen. Und so ist es auch bei vielen Waffenschmieden, es muss immer prunkvoller, aufwendiger und optisch perfekter. Solche Schmiede mögen damals Könige und Kaiser beliefert haben aber es gab nun einmal mehr freie Männer als Könige und wer hat für diese Leute Waffen hergestellt? Ein guter Bekannter und Kollege von mir, Karl Aldinger, sagte mir gleich beim ersten Treffen das er meine Waffen nicht mit denen von anderen Schmieden vergleichen wird denn das könne er nicht. Man muss die Dinge als das sehen was sie sind und nicht mit dem vergleichen was sie nicht sein können, sagte er. Das bedeutet wenn ich eine Klinge mit der Vorgabe fertige nicht teurer wie 400 € sein darf dann kann ich sie nicht mit einer Klinge vergleichen bei der man eine Vorgabe bis 2000 € hat. Man geht dabei von ganz anderen Materialien und vor allem von einem ganz anderen Zeitaufwand aus den man zur Verfügung hat.
Daher ist es für Schmiede wie uns, die Waffen im Mittelklassebereich, fertigen wichtig die begrenzt vorhandene Zeit primär auf die wichtigsten Faktoren wie: Härte, Elastizität, Gewicht, Balance, Schwingungspunkte, fester Sitz von Knauf und Parier, Proportion und ihre Verteilung, Klingengeometrie sowie der Rostträgheit zu verteilen. Erst dann kommen Punkte wie 100% feinstkratzerfreie Oberflächen, Schneidkanten in denen man sich zerrungsfrei spiegeln kann ect. Dies sind Punkte die der Optik aber nicht der Funktion dienlich sind daher müssen diese anstehen um im reinen Handwerk einen bestimmten Preis halten zu können.
Ich möchte nochmals betonen das es die Pflicht eines jeden Handwerkers ist, gewissenhaft zu arbeiten aber man muss dabei immer Prioritäten setzen die durch die vorgegebenen Rahmenbestimmungen definiert werden. Wichtig als Handwerker ist es zu erkennen wo man diese Prioritäten setzt und als Käufer ist ebenso wichtig seine Kaufkiterien zu kennen aber darüber hinaus auch zu erkennen wann eine Waffe schlampig gearbeitet ist und wann es eine hervorragende Waffe ist an der man noch Spuren der Handarbeit ihres Erschaffers sieht.
