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Die Philosophie

Bevor irgend etwas zu meiner Arbeitsphilosophie schreibe, möchte und muss ich betonen, dass ich mich nicht als reinen Handwerker verstehe sondern eher als Künstler. Ein Handwerker arbeitet nach recht festen Vorgaben, nach gewissen Richtlinien und Vorlagen, dass ist nicht mein Streben. Wenn ich ein Werkstück beginne, dann mit der Freude und der Inspiration die nötig ist, aus einem Stück Stahl ein Unikat zu erarbeiten. Natürlich ist meine Tätigkeit eine handwerkliche und natürlich bin ich an gewisse Richtlinien gebunden aber ich denke was zählt ist die innere Einstellung, die Arbeitsweise. Aus diesem Grunde sind alle Terminangaben unverbindlich und nur grobe Richtlinien, weichen alle Werkstücke von den gezeigten Bildern ab und können nicht mit anderen Waffen verglichen werden.
Meine Werkstücke entstehen mit Zeit, Liebe, Freude und Inspiration. Dadurch erhalten sie ihr authentisches und lebendiges Wesen! In den folgenden Texten verwende ich dennoch das Wort Handwerker, da ich auch Kollegen mit einbeziehe und der Großteil von ihnen sich nicht zwingend als Künstler versteht.

Alle Werkstücke in 100% Handarbeit hergestellt ohne industriell hergestellte Teile, wie z.B. Schwertknäufe von der Stange zu verwenden. Jeder Teil des Werkstückes wird selbst hergestellt, von der Messerklinge über den Griff bis hin zum Schwertknauf und den Tauschierarbeiten.

Die Schmiede am Morgen

Der Leitsatz meiner Philosophie ist "Tradition statt Technik". Das bedeutet das ich versuche den Einsatz von Maschinen, besonders den von automatisierten Maschinen, auf ein marktfähiges Minimum zu reduzieren. Ich bin der Überzeugung das die kalte Perfektion einer Maschine die Seele eines Werkstückes zerstört. Zwei Sätze aus meiner Vergangenheit haben mich in dieser Einstellung sehr geprägt. Zum einen meine Kunstlehrerin die immer sagte:" Symmetrie ist die Kunst der Dummen!" und zum anderen ein alter Maurermeister der zu sagen pflegte:"Den Putz musst du mit der Hand abziehen, man muss die Hand sehen damit es lebt!". Diese prägenden Sätze haben ihre Spuren hinterlassen und so lebe ich nun diese Einstellung in meiner Arbeit. Die Werkstücke mit freier Hand bearbeiten, sich nicht auf kalkulierte Perfektion und digitale Berechnung verlassen sondern auf Aug und Hand die selbst schon in den Jahren des Lernens zu Werkzeugen geworden sind. Das ist mein Anspruch. Etwas von mir in die Waffe geben, nicht nur gelernte Fakten sondern meine lebende Handschrift. In meinem Artikel "Wärmebehandlung" könnt ihr nachlesen das die meisten Schwerter die ich fertige in der "stock removal" Methode hergestellt werden, also aus einem Flachstahl ausgeschnitten werden. Ist das nun nicht ein Widerspruch zu dem eben gelesenen? Nein, kein Widerspruch sondern ein notwendiger Kompromiss. Gern würde ich gänzlich auf Maschinen verzichten aber damit wäre ich nicht mehr Marktfähig. Der Arbeitsaufwand und die benötigte Zeit würden nicht mehr im Verhältnis zu dem stehen was man für eine Waffe nehmen kann um noch ein breites Publikum zu erreichen. So verzichte ich also in Bereichen die es ermöglichen, und nicht prägend für das Bild meiner Arbeit sind, auf die Philosophie der "freien Hand" und nutze moderne Technik als Mittel der Wirtschaftlichkeit, also dem Erhalt meines Handwerks. In anderen Bereichen wie der Wärmebehandlung setze ich die "freie Hand" wieder durch und härte ausschließlich nach Erfahrung und Auge im Kohlenlangfeuer, gebe der Waffe auf meine Art ihre Seele. Wichtig bei diesem Kompromiss ist mir, dass all die Bereiche die das Wesen meiner Werkstücke stark prägen in freier Hand und mit geschultem Auge gemacht sind. Dieses Zusammenspiel von Tradition mit etwas Technik garantiert, dass ich echtes Handwerk mit Seele zu einem marktfähigem Preis anbieten kann und am wichtigsten, meine Handschrift in Feuer und Stahl verewige.

Das Tagwerk

Bezüglich der historischen Korrektheit meiner Werkstücke ist es so, dass wir nur in einigen wenigen Fällen 1 zu 1 Replikate herstellen, dies nur auf Kundenwunsch und wenn die Arbeit einen gewissen Reiz in sich birgt. Es gibt genügend Replikenhersteller die sich auf dieses Gebiet spezialisiert haben. Wir sehen uns als traditionelle Handwerker und nicht als Modellbauer die diverse Funde vermessen und dann nachbauen. Als Handwerker hat man in unseren Augen das Recht, vielleicht sogar die Pflicht, immer etwas von seinem eigenen Stile und seiner eigenen Seele mit in das Stück einfließen zu lassen. 

Das bedeutet nun nicht das ich reine Fantasieschwerter herstellen, sondern ich nehme den Querschnitt der gefundenen Schwerttypen, z.B. ein normannisches Schwert, und nutzen diesen Querschnitt als Grundgerüst welches ich dann in der mir eigenen Art fertigen. Änderungen die dadurch entstehen sind meist kaum bemerkbar, da kann es sein das ein Parier einen ganz leichte Wölbung hat obwohl er zu 95% gerade war oder aber die Klinge sich stärker oder schwächer Verjüngt als bei den Funden. Daher sind all meine Freiinterpretationen definitiv für jeden Kenner sofort zeitlich zuordbar aber eben nicht genau zu definieren. So wird, um das Beispiel des normannischen Schwertes nochmal aufzunehmen, jeder erkennen das es ein normannisches Schwert ist aber man wird nicht sagen können das dieses Schwert 1150 n.Chr. in einem Schlachfeldgrab im Raum Wessex, GB gefunden wurde. Es ist eben der von mir gestaltete, authentische Geist eines normannischen Schwertes und keine tote Kopie.

Die Schmiede zur damaligen Zeit waren auch nur Handwerker die ihre Waffen nach der Funktion gefertigt haben. Meist noch mit Einschlägen der aktuellen "Mode", dennoch hat jeder Schmied das Schwert nach seinem Gutdünken gefertigt und nicht mit Messschieber und technischer Zeichnung. Das bedeutet nicht das ich diese Arbeitsweise herabwerten möchte, ich finde es auch recht bemerkenswert ein Schwert zu 100% nachzubauen aber es ist eben nicht in meiner Art dies gleich zu tun.
Anders sieht es aus, wenn Sammler oder auch sehr oft "Handwerker" meinen die Qualität einer Waffen und das Können des Handwerkers an der historisch, korrekten Form einer Waffe festmachen zu wollen. Auf Diskussionen mit solchen Kleingeistern kann ich gern verzichten!

Die Schmiede am Abend


Ebenso sieht es aus wenn Menschen behaupten der Handwerker würde schlampig oder unsauber arbeiten weil die Hohlkehle vielleicht nicht auf den Millimeter genau gerade läuft. Solche Klugscheißer gehören gleich mit einem Arschtritt vom Hof befördert. Solange die Qualität und Funktion eines Werkstücke stimmen wurde nicht schlampig gearbeitet.  Ich empfinde es als arrogant zu behaupten das nur Klingen gut sind, die aussehen als würde sie gerade frisch aus der CNC Fräse kommen. Dennoch sollte es das bestreben jedes Handwerkers sein sich stetig zu verbessern und seine Fähigkeiten perfektionieren sowie immer nach seinem besten Können zu schaffen. 

Es mag Handwerker geben deren Kunden genug Geld haben um sich Schwerter anfertigen zu lassen die auf den 10tel Millimeter genau sind und wie aus dem Ei gepellt aussehen, aber ebenso gibt es Menschen die eben nicht die 4500 Euro oder mehr haben um diesen Arbeitsaufwand und die damit verbundene Zeit zu zahlen und dennoch haben sie ein recht auf eine hervorragende und sauber gearbeitete Klinge die vielleicht kleine Kompromisse in der Optik eingeht aber in der Funktion auch ein "Wunderschwert" übertreffen kann.

Daher ist es für Schmiede wie mich, die hauptsächlich Waffen im mittleren Preissenkment fertigen, wichtig die begrenzt vorhandene Zeit primär auf die wichtigsten Faktoren wie: Härte, Elastizität, Gewicht, Balance, Schwingungspunkte, fester Sitz von Knauf und Parier, Proportion und ihre Verteilung, Klingengeometrie sowie der Rostträgheit zu verteilen. Erst dann kommen Punkte wie 100% feinstkratzerfreie Oberflächen, Schneidkanten in denen man sich zerrungsfrei spiegeln kann ect. Dies sind Punkte die der Optik aber der Funktion verhältnismäßig wesentlich weniger dienlich sind. 

Ich möchte nochmals betonen das es die Pflicht eines jeden Handwerkers ist, gewissenhaft zu arbeiten aber man muss dabei immer Prioritäten setzen die durch die vorgegebenen Rahmenbestimmungen definiert werden. Wichtig als Handwerker ist es zu erkennen wo man diese Prioritäten setzt und als Käufer ist ebenso wichtig seine Kaufkriterien zu kennen aber darüber hinaus auch zu erkennen wann eine Waffe schlampig gearbeitet ist und wann es eine hervorragende Waffe ist an der man noch Spuren der Handarbeit ihres Erschaffers sieht.